9–11 Oct 2024
Max-Planck-Institut für empirische Ästhetik
Europe/Berlin timezone
Analog, digital oder irgendwo dazwischen – die zukünftigen Räume der Kultur

Interaktionen und Netzwerke im zeitgenössischen digitalen Kunstfeld – Eine Annäherung an Mixed Realities

11 Oct 2024, 10:30
30m
ArtLab-Foyer (MPIEA)

ArtLab-Foyer

MPIEA

Grüneburgweg 14 60322 Frankfurt am Main

Speaker

Diana Kral (Kunstakademie Düsseldorf)

Description

Als Ankerpunkt für meinen Panelvortrag möchte ich den Begriff der „Mixed Realities“ verwenden, wie ihn Kunstforum titelgebend in Band 290 (2023) vorstellt, um der Frage nachzugehen, welche neuen/zukünftigen Orte der Kunst es gibt. Konkret beschäftige ich mich mit den Fragen, welche Akteur:innen sich versammeln und miteinander in Interaktion treten, und schließlich, welche Effekte sich daraus ergeben. Dies gehe ich vor einem soziologischen Hintergrund an. Auf theoretischer Ebene lässt sich hier mit Bourdieu ansetzen, doch fällt bald auf, dass diese neuen heterogenen Räume schlecht in ein Schema gepackt werden können, wie es Bourdieu in Die Regeln der Kunst vorstellt. Um diese Grenzen zu überwinden, schlage ich einen netzwerkanalytischen Ansatz vor, um verschiedene menschliche wie nicht-menschliche Akteur:innen zu versammeln.
„Mixed Realities“ versucht die Vermischung zweier Realitäten, dem Analogen/Physischen und dem Digitalen/Virtuellen zu beschreiben. Auf künstlerische Arbeiten übertragen, erklärt Scorzin : „Mixed Reality-Installationen bringen im Grunde gesehen unterschiedliche Realitäten hervor, die sich einander bedingen und sich gegenseitig ermöglichen, um sich zugleich miteinander zu einem sinnlich erfahrbaren Ereignis im Kunstwerk zu vereinen“ (62, Kunstforum 2023). Scorzin bezieht sich hier auf zwei – zunächst als konträr wahrgenommene – soziale Kulturen bzw. Räume: Den der Kunst und den der digitalen Technologie. In diesen Räumen werden unterschiedliche Werte vertreten und es bestehen verschiedene Verständnisse von Kunst, ihrer Ästhetik und Mechanismen – oder mit Bourdieu gesprochen: Regeln des Spiels. Im NFT-Hype der Jahre 2021 und 2022 haben sich diese beiden Räumen getroffen und es kam zu Überschneidungen, die auf unterschiedliche und teilweise entgegengesetzten Reaktionen führte. Das Kunstfeld diskutierte hier insbesondere über die Anerkennung Blockchain-basierter Kunstwerke, wobei sich die Argumente zwischen Ablehnung und Euphorie bewegten. Bei weiterer Analyse fiel mir auf, dass sich hier zwei Räume gegenseitig nutzen und dadurch auf beiden Seiten neue Personengruppen angesprochen werden. Daran wird ablesbar, wie vielschichtig sich dieser geteilte und erweiterte Raum gestaltet. Der Hype um NFTs mag abgeflacht und der ökonomische Wert des Anlagewertes NFT abgefallen sein; doch kristallisiert sich nun heraus, welche Personen bleiben, wer den Raum formt und welche langfristigen Effekte sich daraus für das zeitgenössische Kunstfeld ergeben könnten. Ziel meines Panelvortrages ist es, die Struktur dieses neuen Raumes, eine um ein Metaversum erweiterte Welt, nachzuvollziehen und einen Blick auf die Interaktionen zwischen menschlichen und nicht-menschlichen Akteur:innen zu werfen. Der Begriff der „Mixed Realities“ soll hierbei produktiv gemacht werden, um gemeinsam zu überlegen, welche neuen Wirklichkeiten der Kunst realisiert werden, in der Mensch und Technologie miteinander interagieren.

Referenzen:
Bourdieu, Pierre (2001): Die Regeln der Kunst. Genese und Struktur des literarischen Feldes. Berlin: Suhrkamp.
Scorzin, Pamela C. (2023): „Wozu dienen erweiterte Realitäten in den Künsten?“, in: Kunstforum Bd. 290, S. 46-65.
Zahner, Nina Tessa (2023): „Bruno Latours ästhetisierte Mythologie des Sozialen. Zum Verhältnis von Wissenschaft, Ästhetik und Politik bei Bruno Latour“, in: Artis Observatio – Allgemeine Zeitschrift für Kunstsoziologie und Soziologie der Künste Nr. 2 (2023), S. 93-125.

Author

Diana Kral (Kunstakademie Düsseldorf)

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