9–11 Oct 2024
Max-Planck-Institut für empirische Ästhetik
Europe/Berlin timezone
Analog, digital oder irgendwo dazwischen – die zukünftigen Räume der Kultur

Wofür ist das die Lösung? – Eine Analyse der Digitalisierungsstrategien der Länder

10 Oct 2024, 10:30
30m
ArtLab-Foyer (MPIEA)

ArtLab-Foyer

MPIEA

Grüneburgweg 14 60322 Frankfurt am Main

Speaker

Julia Glesner (Fachhochschule Potsdam)

Description

Die digitale Transformation ist „weder ein rein technisches noch ein ausschließlich sozialpolitisches Thema“, sie ist ein „von Menschen aktiv zu gestaltender Prozess“ (Deutscher Städtetag 2022, 5). Kulturpolitik wird zukünftig immer auch Digitalpolitik sein. Der vorgeschlagene Beitrag untersucht, wie die Kulturpolitik der Länder und – so vorhanden – auch des Bundes in ihren Strategiepapieren den Kultursektor – und im Speziellen künstlerische Ausdrucksformen, die auf dem Konzept der Liveness beruhen –
im Prozess der digitalen Transformation fördern will.

Der Deutsche Bundestag hatte 2010-13 die Enquetekommission „Internet und digitale Gesellschaft“ eingesetzt, 2014-17 folgte der ‚ständige Ausschuss‘, der die Leitlinien der Digitalpolitik unter dem Titel „Digitale Agenda“ entwickelte. Diese Leitlinien werden fortlaufend aktualisiert. Im Koalitionsvertrag der vergangenen Legislaturperiode (2017-2021) war „eine mit substanziellen und finanziellen Mitteln unterlegte Strategie für die Zukunft von Kultureinrichtungen und ihre digitale Transformation“ (Bundesregierung 2018, 7844-7845) vorgesehen gewesen. Ihre Erarbeitung war eine von sieben kulturpolitischen Maßnahmen der Umsetzungsstrategie der Bundesregierung unter dem Titel „Digitalisierung gestalten“ (BKM 2021, 10), die von der aktuellen Bundesregierung nicht mehr verfolgt werden. Stattdessen erarbeitete das BKM ein „Perspektivpapier“, mit das BKM „die Stärken des Kulturbereichs für den allgemeinen Kulturwandel gesellschaftlich produktiv“ (BKM 2021, 9) machen und die Prozesse der digitalen Transformation von Kulturbetrieben in sechs „prioritäre(n) strategische(n) Arbeitsfelder(n)“ (BKM 2021, 15) stärken wollte. Dabei stehen „der bundesgeförderte öffentliche Kulturbereich und die vom Bund gestaltbaren Rahmenbedingungen im Mittelpunkt“ (BKM 2021, 15).
Digitalisierungsstrategien als ressort- und themenübergreifende Governance-Instrumente in den Bundesländern werden in Deutschland seit 2015 umgesetzt (Brunner et al. 2020, 6). In diesen Digitalisierungsstrategien auf Ländereben spielt der Kultursektor eine untergeordnete Rolle. Lediglich in Nordrhein-Westfallen wird er in besonders auffallender Weise als Querschnittsthema integriert. In unterschiedlichem Ausmaß wird der Kultursektor in den Digitalisierungsstrategien von Baden-Württemberg, Berlin (aktuell in Arbeit), Brandenburg, Hessen, Mecklenburg-Vorpommern, Niedersachsen, Rheinland-Pfalz, Sachsen-Anhalt und Thüringen behandelt. Im Speziellen für den Kultursektor existieren nur vereinzelte Digitalisierungsstrategien (bspw. Hamburg, Schleswig-Holstein, Thüringen). Neun Bundesländer habe eine Kulturstrategie (teilweise auch (Landes-)Kulturkonzept oder Kulturförderplan genannt) verabschiedet. Davon haben nur Baden-Württemberg und Nordrhein-Westfalen belastbare Aussagen zur digitalen Transformation des Kultursektors getroffen. Darüber hin aus hat der Deutsche Städtetag 2021 in Reaktion auf die Erfahrungen der Pandemie ein Diskussionspapier veröffentlicht, das die Potentiale der Digitalisierung für mehr Reichweite und Gewinnung neuer Zielgruppen nutzen will und den Beitrag skizziert, „den die kommunale Kulturpolitik für die digitale Transformation leisten kann und muss“ (Deutscher Städtetag, 2021, 4).

Der vorgeschlagene Beitrag diskutiert basierend auf einer Textanalyse dieser Dokumente
die Frage, inwiefern die Kulturpolitik der Länder und des Bundes den Kultursektor in ihren Digitalisierungsstrategien berücksichtigt. Ausgehend vom Befund Brunners et al. –
„Im Bereich Kunst und Kultur sehen die Strategiepapiere die weitere Digitalisierung von Museen, Bibliotheken und Archiven vor. Das beinhaltet den Aufbau der technischen Infrastruktur, die Massendigitalisierung von Kulturgütern sowie deren Zugänglichkeit.“ (Brunner et al. 2020, 26)
– fokussiert er im Besonderen, wie diese Strategiepapier die Entwicklung künstlerischer Ausdrucksformen im Digitalen, insbesondere solcher, die auf dem Konzept der Liveness beruhen, in ihren Digitalisierungsstrategien berücksichtigt. Ziel ist es, anhand der Strategiepapier zu identifizieren, welche Rolle die Kulturpolitik dieser Entwicklung zumisst.

Author

Julia Glesner (Fachhochschule Potsdam)

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