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Description
Die Krise ist ein normaler Topos der menschlichen Gesellschaft. Megatrends wie Digitalisierung, Klimawandel oder verändern aktuell radikal Raum und wie wir ihn nutzen. Durch den Verlust von Funktion, Nutzen, Produktivität und systemische Integration entstehen Schadschöpfung und Verlust von Jobs, Wertschöpfung und Steuereinnahmen sowie Lebensqualität und Identifikation. Gleichzeitig gibt es Raumnutzungen, Prozesse sowie Systeme, die trotz Krisen persistieren oder sich sogar weiterentwickeln, indem sie Resilienz zeigen. Eine wichtige Rolle spielen dabei Stakeholder der Kultur- und Kreativwirtschaft, die informell und formell Transformation initiieren und begleiten.
Dies ist die Grundlage meiner Dissertation „Obsoleszenz, Persistenz, Resilienz – Kreativität und Nachhaltigkeit als Instrumente zur Milderung urbaner Krisen“ am Institut für Soziologie und Kulturorganisation der Leuphana Universität Lüneburg. Mithilfe eines Mixed-Method-Ansatzes aus ökonometrischer Datenanalyse und Quellenauswertung, qualitativen Expert:innen-Interviews, Kartierungen sowie Ortsbegehungen analysiere ich die drei genannten Phänomene und ihren Einfluss auf komplexe Systeme und den Superorganismus Stadt und wie Kreativität als Mitigationsfaktor genutzt werden kann.
Leitfragen sind dabei u.a.: Wie gehen Stakeholder und Organisationen mit Krisen um? Welche Rolle spielen Handwerk und Kulturerbe bei der Persistenz im Kontext einer dynamischen Komplexität? Wie kann kreative und nachhaltige Resilienz erreicht werden, um negative Einflüsse zu mitigieren? Welche Modelle und Methoden aus Kultur und Kreativität können übertragen werden, um konstruktiv und zukunftsorientiert mit Transformation umzugehen? Und kann Krise als Trigger im Sinne einer schöpferischen Zerstörung nach Schumpeter auch positiv gedeutet werden?
Die empirische, kritische Reflexion wird anhand von drei europäischem Case-Study- Städten durchgeführt:
1. San Sebastian mit dem Strukturwandel der Hafen-und Werftindustrie und der Krise der baskischen Identität hin zu einem wichtigen Gastronomie-Hub.
2. Antwerpen mit der Krise des Hafens und der Textilindustrie hin zur Etablierung als ein Fashion-Design-Zentrum.
3. Turin mit der Krise der italienischen Automobilindustrie und der Wiederanknüpfung an die Tradition, „das kreative Labor von Italien“ zu sein.