Oct 9 – 11, 2024
Max-Planck-Institut für empirische Ästhetik
Europe/Berlin timezone
Analog, digital oder irgendwo dazwischen – die zukünftigen Räume der Kultur

Kunsterfahrung im (post-) digitalen Zeitalter

Oct 11, 2024, 11:30 AM
30m
ArtLab-Foyer (MPIEA)

ArtLab-Foyer

MPIEA

Grüneburgweg 14 60322 Frankfurt am Main

Speaker

Hanna Brinkmann (Universität für Weiterbildung Krems)

Description

Der vorgeschlagene Vortrag zielt darauf ab, das inter- und transdisziplinäre Projekt "Kunsterfahrung im (post-) digitalen Zeitalter. {Original | Digital | Virtuell}" vorzustellen. Ziel dieses vom österreichischen Wissenschaftsfonds (FWF) finanzierten Projekts ist es, die spezifischen Wahrnehmungsqualitäten von originalen Kunstwerken, ihren digitalen Surrogaten sowie digitalen Erweiterungen in den virtuellen Raum (Augmented und Virtual Reality) zu beschreiben, zu analysieren und zu differenzieren. Dies wird mit einem Mixed-Methods-Ansatz erforscht, der qualitative und quantitative Methoden integriert, um die komplexe Beziehung zwischen ästhetischer Erfahrung und Bildmedialität empirisch durch vergleichende Studien zu erfassen. Konkret werden vier Studien im Oberen Belvedere in Wien durchgeführt, bei welchen Eye Tracking, Fragebögen und eine Woche nach der Teilnahme eine Online-Befragung eingesetzt werden (vgl. Reitstätter et al. 2020).
Kunsterfahrung ist nicht länger auf die kontemplative Betrachtung des Originals innerhalb der physischen Räume eines Museums beschränkt. Im Gegenteil, digitale und virtuelle Medien, die von Museen selbst, von Künstler:innen oder von Besucher:innen produziert werden, erfreuen sich spätestens seit COVID-19 großer Beliebtheit. Der vermehrte Gebrauch digitaler Tools in der Vermittlung von Kunst, wie Online-Datenbanken, Smartphone-Apps und partizipativen Ausstellungsformaten, hat das digitale Bild zu einem wesentlichen Bestandteil unseres Kunsterlebens gemacht. Gerade Kunstmuseen, in denen zumeist visuell erfahrbare Objekte ausgestellt werden, bieten online digitalisierte Werke, virtuelle Besuche, "Digitorials" und Videotouren an. Durch die Verfügbarmachung digitaler Reproduktionen, Ausstellungsführungen mittels Videos, Online-Kursen oder gar virtuellen Besuchsmöglichkeiten, sind viele Kunstsammlungen heute theoretisch jederzeit für ein breites und vielfältiges Publikum zugänglich. Vor dem Hintergrund dieser Veränderungen in der Produktion, Präsentation und Zirkulation von Kunst scheint es naheliegend, dass sich diese Entwicklungen auch auf die Wahrnehmung von Kunst auswirken. Noch ist unklar, was dies genau für die Kunsterfahrung bedeutet - für die Art und Weise, wie wir uns auf Kunst einlassen, diese wahrnehmen und betrachten. Um das Kunsterlebnis im (post-) digitalen Zeitalter zu verstehen, scheint es notwendig, Kunstwerke in verschiedenen Medienformaten (original, digital, virtuell) zu vergleichen und zu untersuchen, ob es ein medienspezifisches Kunsterlebnis gibt. Ausgehend von Walter Benjamins Konzept der Aura fragen wir: Gibt es Unterschiede zwischen Bildmedien, insbesondere dem Original und den anderen Medien, wenn es um die Auseinandersetzung mit Kunstwerken geht - und wenn ja, wie wirken sich diese Unterschiede aus?

Literatur:
Benjamin, W. (1936). L’oeuvre d'art à l'époque de sa reproduction mécanisée. Zeitschrift für Sozialforschung 5(1), 40–66.
Reitstätter, L., Brinkmann, H., Santini T., Specker, E., Dare Z., Bakondi, F., Miscená, A., Kasneci, E., Leder, H. & Rosenberg, R. (2020). The Display Makes a Difference: A Mobile Eye Tracking Study on the Perception of Art Before and After a Museum’s Rearrangement. Journal of Eye Movement Research,13(2):6, 1995–8692. Doi:10.16910/jemr.13.2.6.

Primary author

Hanna Brinkmann (Universität für Weiterbildung Krems)

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