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Description
Trotz ‚Digitalisierungsschub‘ in der kulturellen Bildung (Ackermann o.J.) und pandemischer Lösungen ist die physische Co-Präsenz in der Regel ein über alle Entwicklungen hinweg beständiges Element, wenn Künstlerinnen mit Kindern und Jugendlichen arbeiten. Trotzdem formieren sich durch die Arbeit von Künstlerinnen in Handlungsfeldern, die traditionell der sozialen Arbeit, Bildung oder Pädagogik zugerechnet werden, neue Orte der Kunst, die anders funktionieren als nach den klassischen Parametern aus Präsentation/ Aufführung und Publikum und sich oft als ein ‚im dazwischen‘ verstehen (vgl. Hohmaier und Speck 2019). Gerade der Aufschwung von social practice oder socially engaged art in den letzten Jahren (Bishop 2012; Berg 2023), das Reüssieren von Kunstkollektiven, wie Project Art Works (documenta 15) oder Array Collective (Turner Prize 2021) und das Hervortreten eines ‚anthropologisch‘ orientierten Kunstbegriffes (Berg 2023) im Kunstfeld, bieten zunehmend Möglichkeiten der Valorisierung (Reckwitz) auch von Künstlerinnen im pädagogischen Handlungsfeld. Abseits der kunstbezogenen Aufmerksamkeitsökonomie findet diese Arbeit z. B. als gemeinsame Schul(hof)- oder Klassenraumgestaltung statt, werden Kurse und Projektwochen zu bestimmten Kunstformen, Themen oder Materialien angeboten, oder existieren Zielgruppen offene Angebote in Stadtteilprojekten unter der Leitung von Künstlerinnen. Unter Rückgriff auf Interviewmaterial und Aspekte des in meinem Dissertationsprojektes entwickelten Grounded Theory Models möchte ich in geplantem Vortrag den Transfer künstlerischer Prinzipien auf Handlungsfelder außerhalb der Kunst untersuchen. Es verschiebt sich das Gewicht von einer Produktzentriertheit hin zu einer partizipativen Praxis, wobei sich eine Didaktik des Materials und Prozesses herausarbeiten lässt. Überlegt werden soll im Vortrag auch, inwiefern Kulturmanagement zunehmend Bildungsmanagement einbeziehen muss, weil z. B. ethische Aspekte zum Tragen kommen.
Ackermann, Judith. o.J. „‚Kulturelle Bildung erlebt einen Digitalisierungsschub‘ - BMBF Bündnisse für Bildung“. Bundesministerium für Bildung und Forschung - BMBF Bündnisse für Bildung. o.J. https://www.buendnisse-fuer-bildung.de/buendnissefuerbildung/de/einblicke/kulturelle-bildung-erlebt-einen-digitalisierungsschub.html.
Berg, Karen van den. 2023. „Auswege aus der Kunst. Soziale Plastik, Aktivismus und Post Art“. In Performance transformieren: Covid-19 und die Digitalisierung des Wuppertaler Beuys-Performancefestivals, herausgegeben von Bettina Paust und Katharina Weisheit. transcript Verlag.
Bishop, Claire. 2012. Artificial Hells: Participatory Art and the Politics of Spectatorship. London/New York: Verso. http://choicereviews.org/review/10.5860/CHOICE.50-4224.
Hohmaier, Kathrin, und Karsten Speck. 2019. „Dimensionen der Anforderungen in Kooperation zwischen Künstler*innen und Bildungseinrichtungen: Empirische Ergebnisse aus dem ‚Kompetenzkurs Kultur – Bildung – Kooperation‘“. In Forschung zum pädagogisch-künstlerischen Wissen und Handeln, herausgegeben von Joachim Ludwig und Helmut Ittner, 279–305. Wiesbaden: Springer Fachmedien Wiesbaden.
Kunst als Arbeit, Künstler*innen in pädagogischen Handlungsfeldern, Präsenz, Prozess, Material